Die kirchliche Trauung
Samstag, der 11. August 2007
Letzte Vorbereitungen und das Shooting
Am Vortag war ich relativ ruhig- aber ich hatte ja auch noch ein bißchen was zu tun... Die Blumendeko musste noch abgeholt und mit den restlichen Dekorations-Artikeln zum Uhlenhof gefahren werden. Ausserdem stand ich dann noch in der Küche und habe die Cakes für den Sektempfang vor der Kirche gebacken getreu dem Motto: Ablenkung tut gut! Thomas durfte arbeiten, so daß auch er sich nicht ganz so verrückt machen konnte.
Die Nacht vor der kirchlichen Trauung allerdings kam uns vor wie ein Déjà-vu. Wieder wälzten wir uns hin und her. Da fiel mir die Schlaftablette ein, die ich noch von meinem Schleudertrauma Anfang des Jahres hatte... Ich wollte sie ja schwesterlich teilen, aber Thomas verzichtete. So schlief ich dann durch wie ein Murmeltier und war am nächsten Morgen wesentlich ausgeglichener als mein Mann. ;)
Wie schon am zwei Wochen zuvor, machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Friseur- jedoch wurde bei mir erst mit dem Frisieren begonnen, als Thomas schon lange fertig war und sich bei seiner Mutter einkleidete. Als mein Make Up und meine Frisur fertig waren und ich mich das erste Mal als "richtige" Braut im Spiegel sah, flossen an diesem Tag das erste Mal die Tränen. Ich bereute es schon fast, daß ich mir zugetraut hatte, alleine mit dem Wagen zu uns nach Hause zu fahren, denn ich war auf einmal dann doch extrem zittrig und aufgeregt. Zuhause warteten dann schon Steffi und Andrea auf mich, die mir beim Ankleiden geholfen haben und mit beruhigenden Worten und nicht zuletzt auch mit Sekt die Nervosität ein wenig vertrieben. Das Ankleiden war sehr spannend und aufregend- endlich durfte ich das Kleid anziehen und tragen und es raschelte und knisterte und war einfach toll! :)
Ich war gerade fertig angekleidet, da kam dann auch schon das Hochzeitsauto vorgefahren und Andrea rief ganz aufgeregt, daß da ein sehr schicker Bräutigam käme... "Jahaaaaa, meiner!" sagte ich und bekam einen dicken Kloß im Hals. Thomas kam herein und ich fragte ihn von unten, ob ich hochkommen oder er runterkommen sollte. Er entschied sich für Letzteres und polterte, aufgeregt wie ein kleiner Junge, die Treppe zu mir hinunter. Die Schritte wurden aber immer langsamer, je deutlicher er mich sah und fast blieb er stehen, als er mich komplett das erste Mal als Braut sah. Ich zog ihn zu mir und während er stammelte "Du bist so schön...", weinten wir beide vor lauter Rührung und genossen einige Minuten ganz allein für uns...
Gemeinsam mit den Mädels und Schwiegervater tranken wir dann erstmal eine Flasche Sekt und brachen heiter und lustig in Richtung Schloss Sythen zum Foto-Shooting auf...
Am Schloss Sythen trafen wir dann auf Uti, die für die professionellen Bilder vom Tag zuständig war. Wir hatten genau eine Stunde Zeit, um auf dem Gelände, im Garten und im Park die Bilder zu machen- denn an diesem Tag wurde dort auch eine Hochzeit gefeiert und die Gesellschaft hatte den Wunsch geäussert, geschlossen zu feiern und das Schloss für sich zu schliessen. War aber kein Problem, denn wir hatten ja auch vorher schon etwa eine Stunde eingeplant und auch die Bilder waren schon besprochen. Mehr kann man dazu eigentlich auch nicht sagen... Wir hatten Spaß! Die Chemie zwischen uns stimmte, Uti machte spielerisch die Aufnahmen und wir haben gar nicht gemerkt, daß eine Stunde vorüber war und wir uns Richtung Erlöserkirche aufmachten. Es war noch eine halbe Stunde bis zur Trauung und dieses Bewusstsein gab uns nochmal einen nervösen Schub...
Traugottesdienst in der Erlöserkirche
War das aufregend... Wir saßen im geschmückten Auto und fuhren zur Kirche vor. Wir sahen einige Freunde und Verwandte, die noch vor der Kirche standen oder herumliefen. Nervös hielten wir uns an den Händen und unsere Herzen klopften so wahnsinnig schnell. Pfarrer Kinkelbur kam auf uns zu, begrüsste uns und ging mit uns gemeinsam Richtung Kirchentür. Da erst bemerkte ich, daß bereits die Kirchenglocken schlugen... Für uns!
Die Einzugsmusik begann und wir zogen ein. Ich kann mich nicht mehr an viel erinnern, ich habe nur beruhigende bekannte Gesichter gesehen, die mich angesrahlt haben. Vorne jedoch stand unsere Oma, die schon jetzt so aufgelöst war und total verheult war. Da konnte ich nicht mehr und meine Knie zitterten wie Espenlaub. Ich hatte aufgrund dessen kaum ein Ohr für die Begrüssung von Pfarrer Kinkelbur, ich hoffte nur noch, daß meine Knie durchhalten würden, bis wir uns setzen durften. Und das haben sie dann zum Glück auch... ;)
Der Gottesdienst an sich war wunderschön- Pfarrer Kinkelbur hielt eine sehr berührende Predigt und Ansprache. Unsere Gefühle schwankten zwischen grosser Freude und Gerührtheit, so daß reichlich Tränen flossen.
Für den Einzug in die Kirche hatten wir uns eigentlich ein ganz besonderes Musikstück gewünscht, aber gar nicht bemerkt, ob er gespielt wurde. Und so überraschten uns Pfarrer Kinkelbur und die Organistin mit dem Pachelbel Kanon in D-Dur nach Eheversprechen und dem Segen. Die grösste Anspannung war also vorüber und das war ein genialer Coup der Beiden! ;)
Wir haben folgenden Trauspruch gewählt:
Wo du hingehst,
da will ich auch hingehen;
wo du bleibst,
da bleibe ich auch.
Dein Volk ist mein Volk
und dein Gott ist mein Gott.
Rut 1,16
Am Ende des Gottesdienstes hörten wir kurz ein Martinshorn draussen und ahnten schon, daß dies etwas mit Thomas' Arbeitskollegen zu tun haben könnte. Naja, ich war jedenfalls so verwirrt, daß ich vorne nicht um die Stühle herum lief und wir deswegen verkehrt herum auszogen.
Wir waren gerade erst zwei Schritte aus der Kirche heraus, da begrüsste uns folgendes Bild: Mehrere Fahrzeuge des DRK mit Blaulicht und Martinshorn machten ordentlich Lärm und "meine" Kinder von der Arbeit standen Rosenspalier. Das war einfach toll und wieder einmal hatten wir vor lauter Rührung und Freude feuchte Augen... "Meine" Kinder übergaben uns jeder eine Rose, an der ein Herz gebunden war und dort standen ganz persönliche Wünsche für uns darauf geschrieben- wirklich süß, was dort teilweise drauf stand! ;) Nach und nach kamen dann unsere Familien und Freunde aus der Kirche und es dauerte wirklich lange, bis wir jeden mal drücken konnten und Glückwünsche entgegennahmen. Dabei sahen wir, daß einige Verwandte und Freunde im Gottesdienst ebenfalls feuchte Augen bekommen hatten. Währenddessen verwandelte sich der Kirchplatz dank der Hochzeits-Bubbles und eifrige pustender Nachbarskinder in ein Seifenblasen Feld. Steffi und Andrea kümmerten sich darum, daß alle Gäste und "Zaungäste" Sekt und eine kleine Stärkung erhielten (Wedding Cakes und Weingummi Herzen).
Aber wir hatten noch eine Aufgabe: Thomas' Arbeitskollegen hatten Mullbinden übder den Kirchplatz gespannt und wir mussten nun beweisen, daß wir ein Team sind und gut zusammenarbeiten können. Kein Problem, das machten wir mit links- allerdings war es schon ein bißchen gemein, daß unsere beiden Hände in einen Handschuh mussten und die Schere ein bißchen stumpf war...
Dann versammelten wir alle ledigen Frauen, denn ich wollte ja auch eine unverheiratete Frau mit meinem Brautstrauss glücklich machen. Gefangen hat ihn Nadine, die unglücklicherweise vorher von Christian noch gesagt bekommen hat, daß sie es "nicht wagen solle". Die Arme war im ersten Moment so geschockt, daß Tränen flossen, aber letzendlich hat sie sich sehr gefreut und der getrocknete Strauss hat heute einen Ehrenplatz in ihrem Wohnzimmer ;)
Die Feier im Uhlenhof
Wir brachen dann in Kolonne von der Kirche Richtung Holtwick auf.
Was uns vorher gar nicht so bewusst war: Der Weg zum Uhlenhof ist ideal für eine Kolonne: keine Ampeln, keine dicken Verkehrsstraßen, sondern einfach nur eine langsame und schön schlängelnde Straße durch Wälder, Felder und Alleen. Da alle Autos fleissig gehupt haben, war dies natürlich phänomenal!
Am Uhlenhof angekommen, war alles so vorbereitet, wie wir es geplant und abgesprochen hatten. Angefangen bei der Aufstellung der Tische, über die Dekoration bis hin zu unserem DJ Merten, der sich auch schon aufgebaut hatte und uns mit leichter Musik begrüsste. Das war toll!
Wir begrüssten unsere Gäste noch einmal ganz offiziell und gingen über zu den Canapèes, so daß wir alle uns erst noch einmal kurz mit etwas Deftigen und Getränken stärken konnten.
Zwischen den Canapèes und der Buffet-Eröffnung hielt mein Vater noch eine wunderbare Rede, die alle sehr zum Lachen brachte, mich aber auch sehr rührte. Steffi und Andrea zogen zwischendurch die Gäste heraus, um die Gästebuch-Bilder mit dem goldenen Rahmen zu machen.
Und dann war es endlich soweit: Das Buffet wurde aufgebaut und wir stärkten und alle bei folgenden Köstlichkeiten:
Melonen- Schinken- Schiffchen
Tomaten und Mozzarella mit frischem Basilikum und Balsamico
Diverse Salate
Gefüllter Braten vom Schweinenacken nach Jäger Art
Hähnchen an Früchten in Currysauce
Gemischte Gemüseplatte mit Sauce Hollandaise
Petersilienkartoffeln
Butterreis
Sahnequark mit frischen Früchten
Herrencreme
Das Essen tat so gut und wir bemerkten, wie hungrig wir waren, nachdem nun die grösste Anspannung vorüber war. Glücklicherweise trat einer meiner Albträume, nämlich mein Kleid mit irgendeiner Sauce zu bekleckern, nicht ein. Und selbst wenn es passiert wäre, zu diesem Zeitpunkt waren wir einfach nur noch locker und gelöst und wollten feiern und Spaß haben!
Nach einiger Verdauungszeit wollten wir dann also zum Feiern übergehen und den Tanz eröffnen. Der Tanzkurs schien sich mehr als gelohnt zu haben, wir bekamen grosse Komplimente für unsere Choreographie. Wir eröffneten mit einem langsamen Walzer zu Moon River und gaben somit uns und NYC eine ganz besondere Liebeserklärung. Da der langsame Walzer aber eher klassisch und sehr ruhig ist, wollten wir aber noch zum Tanzen animieren und sind anschliessend in einen durchchoreographierten Disco Fox zu Barry White's "My Everything" übergegangen und haben auch nacheinander unsere Oma und unsere Eltern zum Tanzen geholt. Die haben sich sehr gefreut und wir haben Ihnen die Ehre erwiesen, als erste mit uns, dem Brautpaar, zu tanzen.
Die Tanzfläche und somit die Party war also ofiziell eröffnet und wir und unsere Gäste haben durchgehend einen schönen, lustigen und unterhaltsamen Abend erlebt.
Bea und Tobi hatten eine wunderbare Überraschung für uns: Das Empire State Building, selbst gemacht aus Draht und Gips- echt der Wahnsinn! Dann gab es da noch das lebendige Malen mit "Pierre und Jacqueline", die Kiste auf Reise sowie die tolle Reise nach Jerusalem/NY mit vielen tollen monatlichen Aktionen für unser erstes Ehejahr. Vielen lieben Dank dafür nochmal an alle, die mit diesen schönen Spielen für Überraschungen und Freude unsererseits gesorgt haben.
Gegen Mitternacht wurde es dann nochmal ernst... Die Hochzeitstorte wurde serviert und somit sollte dann mit dem Anschnitt auch die Frage um die Führung in der Ehe geklärt werden. Aber so ganz klar konnte die Frage nicht beantwortet werden, zankten wir doch fast ein wenig um das Messer und sowohl meine als auch Thomas' Hand lag zeitweise obenauf. Demnach haben wir beide wohl gleichberechtigt das Zepter in der Hand- wie sich das für eine moderne Ehe eben gehört. ;)
Da einige Familienmitglieder der älteren Generation bereits erschöpft und müde waren, sorgte unser DJ für die letzte Möglichkeit mit dem Brautpaar zu tanzen: mit dem Schleiertanz.
Wir feierten und hatten Spaß und verlebten einen wunderschönen Abend/ eine wunderschöne Nacht, bis wir erschöpft um 5 Uhr morgens ins Bett fielen. Der Hochzeitszauber war zu Ende. :(
Verheiratet seit:
